Gestern hat­te ich noch nicht ganz abge­se­hen, wie tief­greifend sich der Work­flow durch das Update auf Sibelius 6 tat­säch­lich ändert. Heute habe ich näm­lich das Ein­binden des Audio-Out­puts von Sibelius in Log­ic mit dem Nutzen von Log­ic als Soft­ware-Instru­ment in Sibelius über MIDI und den sys­te­meige­nen IAC-Bus (Anleitung) kom­biniert. So kann ein Instru­ment, das auch in der Pro­duk­tion in Log­ic als Soft­ware­in­stru­ment behan­delt bleiben soll (d.h. nicht per Mikro­fon oder Gitar­renk­a­bel aufgenom­men wer­den), mit dem­sel­ben Sound inklu­sive aller Effek­te und Automa­tio­nen abwech­sel­nd von Sibelius und von Log­ic anges­teuert wer­den. Auskom­ponierte Stellen sind in Sibelius notiert und wer­den von dort ges­teuert, Impro­vi­sa­tio­nen oder ruba­to-Stellen wer­den direkt in Log­ic einge­spielt und dort der Pianorolle/Matrix edi­tiert. Damit ist eine beliebig feinkörnige Verteilung von Stim­men und Pas­sagen auf Sibelius und Log­ic möglich; Nota­tion und Auf­nah­men kön­nen wild und in beliebiger Pro­duk­tion­srei­hen­folge miteinan­der kom­biniert wer­den.
Auf dem Bild­schirm­fo­to sieht man unten eine E-Piano-Pas­sage in Sibelius; ab Takt 6 ist frei zu spie­len über eine vorgeschriebene Har­monie. In der oberen Hälfte im Log­ic-Fen­ster sind die ersten 6 Tak­te frei, dann fol­gen die dort einge­spiel­ten Akko­rde. Bei­de Teile wer­den mit Log­ics EVP88 im sel­ben Slot abge­spielt.
Vor dem Sibelius-Update war es ewig eine kri­tis­che Frage, wann die Arbeit die Kom­po­si­tion­sumge­bung Sibelius ver­läßt und in die Musikpro­duk­tion­sumge­bung Log­ic importiert wird. Diesen Zeit­punkt habe ich immer so weit wie möglich her­aus­gezögert, um die exzel­lente Visu­al­isierung der Musik in Sibelius und seine kom­pon­is­ten­fre­undlichen Werkzeuge möglichst lange nutzen zu kön­nen.
Den Nachteil, daß die Musik immer nur so gut klingt wie die Sibelius-MIDI-Sounds, habe ich dabei zäh­neknirschend inkauf genom­men. Nicht nur, daß Demos und Lay­outs die Fan­tasie des Empfängers sehr stra­pazieren: welch­er The­ater- oder Film­regis­seur kann sich anhand ein­er MIDI-Gesangsstimme vorstellen, wie das klingt, wenn es dann schließlich ein richtiger Sänger aufgenom­men hat? Wieviele mein­er Vorschläge sind schon abgelehnt wor­den, weil das Demo ein­fach zu schlecht gek­lun­gen hat? Nein auch die eigene Fan­tasie wurde stra­paziert. Wie viel bess­er kann man sich beim Schreiben die Wirkung ein­er Stre­icher­be­gleitung vorstellen, wenn man die Sän­gerin dazu im Orig­i­nal hören kann!
Nach dem Wech­sel zu Log­ic das umgekehrte Prob­lem: gut klin­gende Soft­ware­in­stru­mente, Effek­te, Automa­tion, echte Gesangsstim­men, Stre­ich­er, Kon­tra­baß etc. — und dann neues Stich­wort, kürzen, ver­längern, ändern. Das geht in Sibelius schön­er als in Log­ic, was vor dem Update durch den lang­wieri­gen Importvor­gang effek­tiv ver­hin­dert wurde.
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