Der zweite Grund, warum ich den Blog “Gefühls­land­schaften” nenne, beste­ht in mein­er Vorstel­lung darüber, was Musik ist. Musik, wie alle anderen Kun­st­for­men, scheint mir ein Bild der Welt zu sein, das Aspek­te der Welt abbildet, die sich mit anderen Mit­teln nicht ein­fan­gen lassen. Anders als etwa in ein­er wis­senschaftlichen Abhand­lung oder ein­er Zeitungsmeldung gehen im kün­st­lerischen Bild objek­tive Eigen­schaften des Abge­bilde­ten und sub­jek­tive Wer­tun­gen eine nicht mehr zer­leg­bare Verbindung ein.

Für gegen­ständliche Malerei oder Prosa ist diese Sichtweise ganz offen­sichtlich plau­si­bel — aber für Musik? Was in der Welt soll die Musik denn abbilden? Mir scheint, als befinde sie sich auf ein­er Skala von “konkret” zu “abstrakt” am abstrak­ten Ende. Selb­st bei Musik, die expliz­it gegen­ständlich gedacht ist, so wie etwa Richard Strauß’ “Till Eulen­spiegel”, tut es dem Hör­genuß kaum Abbruch, wenn man das Pro­gramm gar nicht ken­nt. Musik bildet gewis­ser­maßen immer die ganze Welt ab.

Wenn der Gegen­stand dem­nach immer der­selbe ist, liegt der Fokus ganz auf der Per­spek­tive. Diese beste­ht in den gefühlsmäßi­gen Ein­stel­lun­gen zur Welt, und zwar nicht nur denen des Kom­pon­is­ten / Musik­ers / Pro­duzen­ten, son­dern auch denen des Hör­ers. Musik han­delt davon, wie man eine Lebenssi­t­u­a­tion oder einen ganzen Lebensen­twurf emo­tion­al erfassen kann, wobei das mögliche Erleben so stark im Vorder­grund ste­ht, daß die die Musik inspiri­erende “äußere” Lebenssi­t­u­a­tion hin­ter dem “inneren” Erleben ver­schwindet. Die Land­schaften, die mit musikalis­chen Mit­teln gemalt wer­den, sind innere Land­schaften, Land­schaften des Gefühls.
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